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Zwei Bildschirme mit der Anwendung "Sounds of Water" hängen an einer grauen Wand in der Ausstellung. Neben Kopfhörern ist hier der Schriftzug "Ein Klangexperiment zum Mitmachen" zu sehen

© Foto: Eileen Klingner

Wie klingt Wasser? Ein Citizen-Science-Spiel über Musik und Vorstellungskraft

Was sehen wir vor dem inneren Auge, wenn wir Musik hören? Und wie sehr hängt das davon ab, was andere vor uns gehört haben? Diesen Fragen geht die digitale Station „Sounds of Water“ in der Ausstellung „On Water. WasserWissen in Berlin“ nach. Das Citizen-Science-Spiel ist eine Kooperation zwischen der Humboldt-Universität zu Berlin und der Princeton University. Auf Princetoner Seite steht Prof. Dr. Elizabeth Hellmuth Margulis dem Projekt vor; sie leitet am Department of Music das Music Cognition Lab. Deutscher Projektpartner ist der Musikwissenschaftler Prof. Dr. Mats Küssner. Er war zu Projektbeginn wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität zu Berlin und ist inzwischen Professor für Angewandte Musikwissenschaft an der Gustav Mahler Privatuniversität in Klagenfurt. Die Resonanz ist groß: Zwischen Mitte April und Ende September 2026 wurde das Spiel mehr als 3.400 Mal begonnen, rund 2.350 Durchgänge wurden vollständig abgeschlossen.

Hören, beschreiben, bewerten

An drei Tablets im Ausstellungsraum beginnt das Spiel mit wenigen Angaben zu Alter, Geschlecht, Nationalität und Wohnland. Danach folgen kurze Musikausschnitte. Nach jedem Ausschnitt halten die Teilnehmenden in eigenen Worten fest, welche Bilder, Szenen oder Geschichten die Musik in ihnen auslöst. Zusätzlich geben sie an, wie gut ihnen das Stück gefällt und wie vertraut es ihnen ist. Richtige oder falsche Antworten gibt es nicht; man kann auch angeben, beim Hören keine Vorstellungen gehabt zu haben. Die Station ist zweisprachig: Rund 60 Prozent der Teilnahmen erfolgten auf Deutsch, die übrigen auf Englisch. Ein vollständiger Durchgang dauert im Mittel vier bis fünf Minuten, und rund zwei Drittel der Besucher*innen spielen bis zum Schluss.

Allein hören oder im Echo der anderen?

Hinter dem spielerischen Ablauf steht ein Experiment. Ein Teil der Besucher*innen hört die Musik ohne äußere Einflüsse vor einem neutralen, dunklen Bildschirm. Die anderen sehen beim Hören eine Wortwolke mit Begriffen, die frühere Teilnehmende zum selben Ausschnitt notiert haben. Der Vergleich beider Gruppen soll zeigen, ob und wie stark die Vorstellungen anderer unsere eigenen beeinflussen. Welcher Gruppe sie angehörten, erfahren die Teilnehmenden im Anschluss. Auf einem Ergebnisbildschirm können sie die Beschreibungen aller bisherigen Teilnehmenden durchsehen und nach Alter, Geschlecht oder Nationalität filtern. Eine Musikbibliothek lädt danach zum Weiterhören ein.

Vom Ausstellungsraum zum Forschungslabor: Die interaktive Station „Sounds of Water“ lädt Besuchende ein, ihre musikalischen Vorstellungen mit der Wissenschaft zu teilen.

Was die Daten bisher zeigen

Musik erzeugt nicht nur private Bilder. Frühere Studien von Elizabeth Hellmuth Margulis und ihrem Team haben gezeigt, dass Menschen mit ähnlichem kulturellem Hintergrund zu derselben Instrumentalmusik weitgehend ähnliche Vorstellungen entwickeln. Die Station im Humboldt Labor überträgt diese Forschung in einen öffentlichen Raum und erreicht dort Menschen unterschiedlichster Herkunft. Die ersten Auswertungen weisen in dieselbe Richtung: Zu ein und demselben Musikstück beschreiben die Teilnehmenden häufig ähnliche Vorstellungen. Auch dafür, dass die Wortwolke die eigenen Antworten beeinflusst, gibt es erste, noch vorsichtige Hinweise. Ob und wie Nationalität, Sprache oder die Antworten anderer das musikalische Vorstellungsvermögen prägen, wird sich erst mit weiteren Daten zeigen. Konkrete Antworten aus dem Experiment veröffentlichen die Forschenden vorerst bewusst nicht, damit künftige Teilnehmende beim Hören nicht beeinflusst werden.

Das Museum als Versuchsraum

Für Thomas Lilge, Kurator Digitales im Humboldt Labor, der die Station konzipiert hat, löst „Sounds of Water“ ein, was der Name des Ortes verspricht:

„Mit ‚Sounds of Water‘ wird das Humboldt Labor im eigentlichen Sinne zum Labor, denn in einem Labor werden Daten erhoben. Der große Zuspruch, den ‚On Water‘ als Wissenschaftsausstellung erfährt, wird so auf ideale Weise genutzt: Die Besuchenden schauen nicht nur zu, sie tragen selbst zur Forschung bei.“

Auch für Elizabeth Hellmuth Margulis eröffnet die Station neue Möglichkeiten:

„Die Station ermöglicht es uns, unsere Forschung zu musikalisch ausgelösten Vorstellungen in einem öffentlichen Raum fortzuführen und Menschen unterschiedlichster Herkunft zu erreichen.“

Jede neue Teilnahme schärft so das Bild davon, wie viel Gemeinsamkeit in einem scheinbar so persönlichen Erlebnis wie dem Musikhören steckt.