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Ausstellungsansicht mit Besucher*innen, die in der Ausstellung stehen und vor der aufgebauten Bühne Platz genommen haben.

© Foto: Philipp Plum

Wasser aus der Luft – ein Abend zwischen Wissenschaft, Kunst und Mitmachen

Während der Langen Nacht der Wissenschaften öffnete das Humboldt Labor am 6. Juni 2026 seine Türen für einen Abend, der ganz im Zeichen des atmosphärischen Wassers stand. Unter dem Titel „Wasser aus der Luft: Nebel, Wolken und neue Ansätze zur Wasserernte“ luden Vorträge, Gespräche, eine Lesung und Workshops dazu ein, sich mit der Luft zu beschäftigen – denn die Atmosphäre enthält mehr als zehnmal so viel Wasser wie sämtliche Flüsse der Erde zusammen. Anna-Lisa Dieter, die Kuratorin der Ausstellung „On Water. WasserWissen in Berlin“, führte zu Beginn in das Thema des Abends ein und lenkte den Blick des Publikums auf jene Bereiche der Ausstellung, in denen Wolken, Nebel und neuen Formen der Wasserernte im Mittelpunkt stehen.

Selbst aktiv werden

Praktisch wurde es im offenen Drop-in-Format „Wasser ernten. Design für den städtischen Kreislauf“: Ausgangspunkt war die Installation „Cheimarros“ von Dimitra Almpani-Lekka in der Ausstellung „On Water“. Die Designerin untersucht hier, wie keramische Formen dazu beitragen können Regenwasser in urbanen Umgebungen zu leiten und zu sammeln. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, welche Rolle atmosphärisches Wasser im globalen Wasserkreislauf spielt – und welche gestalterischen Ansätze heute entwickelt werden, um es nutzbar zu machen. Unter Anleitung von Almpani-Lekka konnten Besucher*innen selbst mit Ton experimentieren, eigene Formen der Wasserernte erproben und ein kleines Objekt gestalten, das sie im Anschluss mit nach Hause nehmen konnten.

Workshop mit der Designerin Dimitra Almpani-Lekka (HU) zur Wasserernte

Flüchtiges Wissen

Wie flüchtige Erscheinungsformen von Wasser das Denken herausfordern können, davon handelte die Lesung des Literatur- und Kulturwissenschaftlers Joseph Vogls. In seinem Essay „Meteor. Versuch über das Schwebende“ nähert sich Vogl anhand von Texten aus Literatur, Philosophie und Wissenschaft Phänomenen wie Wolken, Nebel und Dunst: Erscheinungen ohne festen Ort, die sichtbar, aber nicht eindeutig fassbar sind – und die eine andere Aufmerksamkeit für die Welt eröffnen.

Joseph Vogl (HU) im Gespräch mit Anna-Lisa Dieter (Humboldt Labor)

Wissenschaft im Dialog

Wie sich Trinkwasser direkt aus der Luft gewinnen lässt, zeigte Valerii Karpov, Doktorand der Physikalischen Chemie an der Humboldt-Universität zu Berlin: Er stellte metallorganische Gerüstverbindungen (MOFs) vor – hochporöse Materialien, die Wassermoleküle aus der Atmosphäre aufnehmen und für die Trinkwassergewinnung nutzbar machen – und erläuterte, wie Simulationen helfen, diese Prozesse auf atomarer Ebene zu verstehen. Ein besonderes Highlight des Abends war dabei ein Video aus dem Labor von Omar M. Yaghi in Berkeley, Chemie-Nobelpreisträger des Jahres 2025, der maßgeblich an der Entwicklung von MOFs beteiligt war.

Valerii Karpov (HU) präsentiert seine Forschung

Welche Rolle Wolken wiederum im Klimasystem der Erde spielen und wie sich ihre komplexen Rückkopplungen mit steigenden Temperaturen – auch mithilfe von Methoden der künstlichen Intelligenz – besser verstehen lassen, zeigte die Mathematikerin Annette Rudolph in einem partizipativen Vortrag mit kleinem Wolkenexperiment zum Mitmachen.

Wolkenexperiment mit Annette Rudolph (TU) und Heide Barrenechea (Leitung Humboldt Labor)

Dass sich auch scheinbar Ungreifbares gestalten lässt, zeigte im Anschluss der Designer und Forscher Clemens Winkler, der mit Wasserdampf, Nebel und Mikroklimata als Materialen arbeitet. In einer kurzen performativen Präsentation gab er Einblicke in seine Arbeit zwischen Design, Kunst und Wissenschaft und erschuf direkt im Ausstellungsraum eine kleine atmosphärische Situation.

Clemens Winkler (HU) experimentierte mit Nebel

Zwischen naturwissenschaftlichem Vortrag, literarischer Lesung und gestalterischem Experiment machte die Lange Nacht der Wissenschaften im Humboldt Labor spürbar, wie eng Wissenschaft, Kunst und Gestaltung im Nachdenken über atmosphärisches Wasser miteinander verwoben sind.