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Ausstellungsansicht mit Keramik im Zentrum, außerdem Flasche mit MOF-Pulver links davon. Im Hintergrund ist ein Wandmotiv von Werner Heldt zu sehen

© Foto: Michelle Mantel, Copyright: Matters of Activity

Über das Objekt hinaus: Wasser, Ton und gemeinsames Gestalten mit Dimitra Almpani-Lekka

In der Ausstellung „On Water. WasserWissen in Berlin“ im Humboldt Labor präsentiert die Architektin und Forscherin Dimitra Almpani-Lekka Cheimarros – eine Keramikinstallation, die untersucht, wie Architektur Wasser in städtischen Umgebungen aktiv sammeln, in Umlauf bringen und teilen könnte. Statt eine fertige technische Lösung vorzuschlagen, funktioniert die Arbeit als experimentelles System, das die Beziehung zwischen Gebäuden, Wasser und mehr-als-menschlichem Leben erforscht. So erklärt Almpani-Lekka: „Cheimarros ist eine Keramikinstallation, die vertikale Wassersammlung, -absorption und -zirkulation als Mittel zur Bewältigung des städtischen Wassermanagements, der Klimaregulierung und der Förderung städtischen biologischen Wachstums untersucht.“

Die Prototypen, erläutert sie, „dienen als Methode, Fragen zu stellen, Herausforderungen aufzudecken und empirisches Wissen darüber zu wecken, wie Wasser mit seiner Landschaft interagiert, sie formt und von ihr geformt wird.“

Das Projekt entstand sowohl aus dem Erforschen architektonischer Fragen als auch aus einem offenen, handwerklichen Prozess. Die Arbeit mit Ton ermöglichte es Almpani-Lekka, Ideen unmittelbar am Material zu testen – obwohl sie keine formale Ausbildung in der Arbeit mit Keramik hat. „Möglicherweise war es sogar hilfreich, dass ich keine Ausbildung in der Arbeit mit Ton habe“, überlegt sie, „so begann ich ohne technische Kenntnisse zu experimentieren, mit dem Willen, Probleme zu lösen, und mit großer Offenheit, Neues zu lernen.“ Durch diesen Prozess entdeckte sie „Elemente von Verspieltheit, Entdeckung und Erfindungsreichtum“. Gleichzeitig fragte sie sich, ob es Erkenntnisse gebe, die man nur durchs Machen lernen könne: „Die Antwort war zum Glück ja.“

Keramik wurde nicht nur wegen ihrer Vielseitigkeit zum Material des Projekts, sondern aufgrund ihrer ureigenen Beziehung zu Wasser: „Ton und Keramik stehen als poröse Materialien in direkter Beziehung zu Wasser, da sie es in sich aufnehmen und verteilen, filtern und wieder an die Atmosphäre abgeben können“, erklärt Almpani-Lekka. Gleichzeitig ist sie sich der Grenzen des Materials bewusst: „Es gibt selten, wenn überhaupt jemals, die perfekten Materialien für ein Entwurfsvorhaben“, erläutert sie weiter. „Jede Entscheidung, die man trifft, bringt Nachteile mit sich, mit denen man einen Umgang finden muss, der hoffentlich klug ist und dem Material gerecht wird.”

Obwohl Cheimarros als skulpturale Installation erscheint, versteht Almpani-Lekka sie als Teil eines viel größeren Netzwerks von Beziehungen: „Für mich ist alles ein System oder Teil eines Systems, das mit anderen Teilen innerhalb eines größeren Systems interagiert.“ Für sie sind „Materielle Dinge […] nie einfach nur da und tun nichts. Sie stehen immer in Interaktion mit ihrer Umgebung.“ Als „Fragment eines Landschaftssystems“ konzipiert, spiegelt die Installation Almpani-Lekkas Interesse an einer Architektur wider, die ökologische Prozesse beherbergt, statt lediglich Raum zu umschließen.

© Foto: Michelle Mantel, Copyright: Matters of Activity

Detailansicht von Cheimarros: Die poröse Keramikstruktur ist darauf ausgelegt, Wasser aufzunehmen, zu verteilen und wieder abzugeben.

Die Gelegenheit, Cheimarros in „On Water“ zu zeigen, ergab sich aus einem Gespräch mit dem Ausstellungsteam. „Ich wurde vom technischen Kurator des Humboldt Labors, Max Illner, angesprochen, als er einige meiner Tonarbeiten auf der Website des [Matters of Activity. Image Space Material] Clusters sah“, erinnert sich Almpani-Lekka. „Wir führten ein Gespräch, und ich war wirklich fasziniert von den verschiedenen Themen, die sie sich überlegt hatten.“ Besonders der Ausstellungsbereich „On Dry Land“ stand in engem Bezug zu ihrer Forschung und inspirierte sie dazu, „ein größeres Werk für die Ausstellung zu schaffen, das keine Demonstration einer technischen Lösung sein sollte, sondern eher ein infrastrukturelles Kunstwerk.“

Diese Denkweise prägt auch ihren Umgang mit Infrastruktur. Statt Wassersysteme in Gebäuden zu verbergen, plädiert Almpani-Lekka dafür, sie sichtbar zu machen. Offen liegende Infrastruktur kann die Wartung erleichtern und anderen Spezies Wasser zugänglich machen. Zudem verändert sie, wie Menschen sich zu den Ressourcen verhalten, von denen sie abhängig sind. „Da wir uns derzeit auf zentralisierte Infrastruktursysteme verlassen, neigen wir dazu, nicht zu hinterfragen oder darüber nachzudenken, wie uns Ressourcen überhaupt zur Verfügung gestellt werden.“, erklärt sie.

„Die physische Distanz zu den Ressourcen, von denen wir abhängig sind, macht uns im Umgang mit ihnen nachlässiger. Aus den Augen, aus dem Sinn.“

Gleichzeitig glaubt sie, dass das Sichtbarmachen dieser Systeme „eine Verspieltheit erzeugt und eine Neugier weckt, die die Art bereichert, wie wir Gebäude erleben.“

Für Almpani-Lekka ist Cheimarros letztlich eine Einladung, unser Verhältnis zu Wasser zu überdenken. Sie hofft, dass Besucher*innen zunächst den Ernst der gegenwärtigen Lage erkennen: „Es steht nicht gut um uns, und nur weil der größte Teil der Infrastruktur, die sauberes Wasser in unsere Wasserhähne bringt, vergraben und für uns unsichtbar ist, heißt das nicht, dass wir uns nicht in einer Krise befinden.“ Dennoch hofft sie, dass die Ausstellung den Besucher*innen auch ein Gefühl des Möglichen vermittelt. „Ich hoffe, die Gäste gehen hoffnungsvoll“, sagt sie, „und fühlen sich ermutigt, kleine Dinge zu tun oder sogar kleine Interventionen oder Praktiken in ihrer Nachbarschaft zu etablieren, die Wasser sparen und bereitstellen, in Solidarität mit anderen Bürger*innen und anderen Spezies.“

Mit Blick nach vorn versteht Almpani-Lekka Resilienz als die Fähigkeit, Systeme zu entwerfen, die fortwährend auf sich verändernde Bedingungen reagieren können. „Resilienz bedeutet in Zukunft, selbsttragende Systeme zu entwerfen und zu schaffen, die auf materieller und biologischer Intelligenz beruhen“, erklärt sie. „Wenn man ein System erschafft, das darauf ausgelegt ist, zu lernen, wie es sich an Umweltveränderungen anpassen kann, dann ist das System theoretisch immer im Wandel. Ich glaube, das ist die Definition von Resilienz.“

Wenn die Besucher*innen nur einen Gedanken aus der Ausstellung mitnehmen, dann hofft Almpani-Lekka, dass es dieser ist:

„In natürlichen Systemen steckt großes Wissen.“