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Getrocknete Kieselalgen in Petrischalen in einer Vitrine

Bevor die Berliner Originale einzogen, mussten Chaetoceros-Kieselalgen aus der Flasche einspringen. © Foto: Philipp Plum

Objektgeschichten: Max Illner und die Kieselalgen

Aus der Reihe: „Objektgeschichten: Das Team stellt sich vor“

„Wie stellt man etwas aus, das kaum sichtbar ist?“ Diese Frage stellte sich Max Illner, technischer Kurator des Humboldt Labors, bei der Konzeption der Kieselalgen-Vitrine. Die in Berlin heimischen Mikroorganismen machten dabei deutlich, dass diese Herausforderung weit über ihre geringe Größe hinausging: Für Max Illner liegt die spannende Frage der Vermittlung bei diesen Exponaten darin, wie sich die Faszination der Forschenden für das Universum unter dem Mikroskop und die Bedeutung der kaum sichtbaren Lebewesen angemessen übersetzen lässt.

Die Berliner Kieselalgen in der Ausstellung „On Water. WasserWissen in Berlin“

In der Ausstellung „On Water. WasserWissen in Berlin“ eröffnen die Kieselalgen (Diatomeen) als kleinste Vertreter die Reihe der Flussbewohner. Nicht größer als der Durchmesser eines Kopfhaars, entgehen sie dem bloßen Auge fast vollständig, und doch besitzen sie wahre Superkräfte: Bis zu einem Viertel der weltweiten Sauerstoffproduktion geht auf sie zurück. Damit sind sie ein wichtiges Lebensorgan des Planeten. Zudem sind sie von erstaunlicher Vielfalt: 539 Arten konnte die Forschungsgruppe „Diatomeen“ des Botanischen Gartens (Freie Universität Berlin) allein in Berlin nachweisen.

„Ein Geständnis vorneweg: Die ersten Kieselalgen stammten aus der Flasche. Als das Team die Ausstellung im Herbst 2025 fertigstellen musste, war es aus saisonalen Gründen kaum möglich, natürliche Kieselalgen aufzutreiben“, erklärt der technische Kurator. Kieselalgen wachsen vor allem im Frühjahr und werden im Laufe des Sommers durch Blaualgen verdrängt. Zunächst mussten deshalb Diatomeen aus dem Handel einspringen. Die Berliner Originale ließen noch auf sich warten.

Einblicke in die Kieselalgenernte

Im April 2026 bot sich schließlich die Gelegenheit, Jonas Zimmermann – den Leiter der Forschungsgruppe im Botanischen Garten – zu besuchen und dort gemeinsam Kieselalgen zu ernten. Mit der Zahnbürste kratzte das Team am Rand eines kleinen Teiches grüne Schlieren in verschließbare Becher, um sie später in Petrischalen zu trocknen. Der Besuch ist Max Illner in besonderer Erinnerung geblieben:

„Der Botanische Garten bot dafür eine wunderschöne Kulisse. Vor allem aber war es eindrucksvoll, die Begeisterung der Wissenschaftler*innen für diese Kleinstlebewesen hautnah an ihrem Arbeitsplatz mitzuerleben und zu verstehen, was sich in wenigen Tropfen Wasser unter dem Mikroskop auftut.“

Die Vielfalt der Berliner Kieselalgen unter dem Mikroskop

Damit auch die Besucher*innen etwas von dieser Vielfalt erfahren können, stehen in der Vitrine neben den (nun tatsächlich echten Berliner) Kieselalgenproben Visualisierungen der Forschungsgruppe in identischen Petrischalen. Sie zeigen eine typische Mischung häufiger Berliner Diatomeen und machen als idealisierte Mikroskopaufnahme sichtbar, was dem bloßen Auge verborgen bleibt: ein vielgestaltiges, lebendiges Universum im Wassertropfen.

Max Illner

Max Illner ist seit 2021 Technischer Kurator im Humboldt Labor. Hier verbindet er sein inhaltliches Arbeiten mit technisch-organisatorischer Expertise zu einer eigenen explorativen Praxis. In der Ausstellung „On Water“ war er Teil des kuratorischen Teams, kuratierte einzelne Bereiche und übernahm die Medienplanung. Ausstellungsmachen versteht er im umfassendsten Sinne: Er konzipiert, legt selbst Hand an und durchdringt die Logiken der einzelnen Gewerke ebenso wie ihr Ineinandergreifen. Dabei denkt er vom Ergebnis her und antizipiert von Beginn an, wie die einzelnen Elemente inszenatorisch und vermittelnd wirken und wie sie sich zu einem Ganzen fügen. Darüber hinaus ist er maßgeblich für den Betrieb und die Umsetzung des Veranstaltungsprogramms im Humboldt Labor verantwortlich.