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Ausstellungsansicht mit drei Protestplakaten mit der Aufschrift "Kein Flussbad ist auch keine Lösung", "Verschwimmt euch die Stadt zurück" und "Keine sauberen Gewässer ohne saubere Finanzierung" an einer Wand. Daneben sieht man einen Ausschnitt des Gesetzentwurfs "Rechte der Spree".

© Foto: Philipp Plum

Objektgeschichten: Lena Fließbach und die Rechte der Spree

Lena Fließbachs Faszination gilt besonders den Ausstellungsobjekten, die einen gesellschaftlichen Wandel sichtbar machen. So bleibt die Kuratorin für Outreach des Humboldt Labors beim Streifzug durch „On Water. WasserWissen in Berlin“ immer wieder an zwei Objekten hängen: den Protestplakaten und dem Gesetzesentwurf „Rechte für die Spree“.

Flüsse sind nicht nur Infrastrukturen und nutzbare Ressourcen. Sie sind lebendige Akteure mit eigenen Bedürfnissen. Doch was passiert, wenn wir diese Bedürfnisse ernst nehmen?
Die Plakate der Berliner WasserZeichen-Demo stehen symbolisch für die aktivistischen Bemühungen, einen neuen Umgang mit lokalen Gewässern anzustoßen. Der eigens für die Ausstellung erstellte Gesetzestext der Vereine Green Legal Impact e.V. und Rechte der Natur e.V. ist der Versuch, ihm eine juristische Form zu geben. Gemeinsam erzählen sie von einer Geschichte des Umdenkens: davon, Flüsse als lebenswichtige Ökosysteme, als Lebewesen und als Lebensadern unseres Planeten anzuerkennen. Darin verdichtet sich für Lena Fließbach eine klare Forderung: „Sie sollen das Recht haben, frei zu fließen, sauber zu sein und in Gemeinschaft mit allen anderen Lebewesen zu existieren.“

Ausschnitt aus dem Gesetzentwurf Rechte der Spree

Green Legal Impact Germany e.V., Rechte der Natur e.V., Jakob Kukula, HU Berlin und FU Berlin

Auszug aus dem Gesetzentwurf „Rechte für die Spree“ von Jurist*innen der Freien Universität Berlin und der Initiative Green Legal Impact.

Inzwischen sind weltweit mehrere Flüsse als Rechtssubjekte anerkannt, darunter der Whanganui River in Aotearoa/Neuseeland – als Ergebnis jahrzehntelanger Bemühungen der Māori – und der Machángara-Fluss in Ecuador. Entscheidend ist also nicht nur, ob ein Fluss Rechte erhalten kann, sondern auch, wie diese anschließend umgesetzt werden. Lena Fließbach interessiert dabei besonders die Frage, wie ein Fluss sprechen kann: „Wer hört ihm zu? Wer übersetzt seine Bedürfnisse?“ Sind es Künstler*innen, Wissenschaftler*innen oder direkte Anwohner*innen? Würde sie der Spree eine Stimme leihen, könnte es so klingen: „Ich bin müde von Abwässern und Lärm. Ich wünsche mir Zeit zur Erholung, saubere Ufer und Raum für all jene, die mit mir leben.“

Diese Perspektivwechsel und Fragen begleiten auch die Vermittlungsarbeit von „On Water“, die Lena Fließbach am Humboldt Labor initiiert. In Workshops für Schulklassen schlüpfen Kinder und Jugendliche in die Rolle der Spree, verschiedener Fische und Wasservögel sowie politischer Entscheidungsträger*innen. Als Kuratorin für Outreach ist ihr die Vielfalt an Perspektiven besonders wichtig. Ihr Fokus liegt zudem auf der Vernetzungsarbeit zwischen dem Humboldt Labor und der Stadtgesellschaft sowie verschiedenen Akteur*innen der Berliner Wissenschafts-, Kultur- und Bildungslandschaft.