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Nasspräparat eines Flusskrebses in einer Ausstellungsvitrine. Der Flusskrebs wirkt auf dem schwarzen Hintergrund weiß.

© Foto: Philipp Plum

Objektgeschichten: Eileen Klingner und die Flusskrebse

Aus der Reihe: „Objektgeschichten: Das Team stellt sich vor“

 

„Ich komme bei diesen beiden Krebsen immer wieder ins Nachdenken“, sagt Eileen Klingner und zeigt auf zwei unscheinbare Nasspräparate im Bereich der Flussbewohner. Als Assistentin der Kuration und Leitung im Humboldt Labor kennt sie die Ausstellung „On Water. WasserWissen in Berlin“ in- und auswendig – und doch faszinieren sie gerade diese beiden Objekte besonders, weil sie ihr Interesse an Präparationstechniken und ökologischen Fragestellungen gleichermaßen berühren.

Den Europäischen Flusskrebs und den Amerikanischen Sumpfkrebs eint mehr als der gemeinsame Platz im Pantografen und ihre taxonomische Ordnung. Sie erzählen eine Geschichte des Anthropozäns, respektive eine Geschichte über menschliche Eingriffe, Verschleppung und Artensterben. Denn die in Berlin ausgesetzten Sumpfkrebse verdrängten stetig die sogenannten Edelkrebse der hiesigen Gewässer durch ihre besondere Anpassungsfähigkeit und Immunität gegen die Krebspest. Die Objektgeschichte zeigt, wie menschliche Entscheidungen direkt in Ökosysteme eingreifen und auf die lokalen Wasserwelten Einfluss nehmen.

Amerikanischer Sumpfkrebs als Nasspräparat – anders bewahrt, anders gezeigt.

Zudem gibt es noch eine Geschichte hinter der Geschichte, auf die Eileen Klingner hinweist: „Besonders faszinieren mich die Unterschiede in der menschlichen Bedeutungszuschreibung, die sich auch in den Präparationstechniken wiederzufinden scheinen. Während der Edelkrebs als Dauerpräparat nahezu aufgebahrt wurde, liegt der Amerikanische Sumpfkrebs zusammengesunken im trüben Glas.“ Für die menschliche Betrachtung scheint nur ein Krebs wirklich von Wert – in diesem Sinne ‚edel‘ – zu sein: der in Berlin beheimatete Edelkrebs, der seinen zugeschriebenen Wert wohl auch seiner wirtschaftlichen (Ver-)Nutzung als kulinarischer Exportschlager zu verdanken hat.

Eileen Klingner

Dass Eileen Klingner ausgerechnet bei den Flussbewohnern hängenbleibt, ist kein Zufall: Als Kulturwissenschaftlerin interessiert sie sich besonders für mehr-als-menschliche Geschichte(n) und für die Perspektive und Agency nicht-menschlicher Tiere – genau jene Zusammenhänge, die auch die konservierten Krebse aufwerfen. Ihr Forschungsinteresse gilt auch den Techniken des Bewahrens: Dabei beschäftigt sie sich mit dem Spannungsfeld zwischen anthropogenem Artensterben und kryotechnischer Konservierung in sogenannten Frozen Zoos. Neben ihrer Tätigkeit im Humboldt Labor ist sie Assistentin der Geschäftsführung am Zentrum für Kulturtechnik und erarbeitet derzeit gemeinsam mit Kuratorin Anna-Lisa Dieter den Ausstellungskatalog On Water. Fluid Perspectives.