Aus der Reihe: „Objektgeschichten: Das Team stellt sich vor“
Der kleine Vierflunkenbootsanker (Draggen) aus dem 19. Jahrhundert steht für Anja Walther exemplarisch für die wechselvolle Geschichte universitärer Sammlungen in Berlin. In „On Water. WasserWissen in Berlin“ betrachtet die Museologin den Draggen aus dieser sammlungshistorischen Perspektive: „Der Anker erinnert mich an eine weitgehend vergessene Berliner Museumslandschaft, die im Zuge des Zweiten Weltkriegs großenteils der Zerstörung anheimfiel.“
Das Exponat stammt aus dem Bestand des einstigen, populären Museums für Meereskunde, welches von der Berliner Universität (gegr. 1809/10) 1906 im Zentrum der Stadt, in der Georgenstraße 34–36, eröffnet wurde. Der Anker fungiert in der Ausstellung „On Water. WasserWissen in Berlin“ unter anderem als stellvertretendes materielles Zeugnis der turbulenten Geschichte der Humboldt-Universität zu Berlin – der Nachfolgeeinrichtung der Berliner Universität – mit ihren zum Teil bis in die Gegenwart erhaltenen Lehr- und Forschungssammlungen. Als historisches Ausstellungsexponat verweist er gleichermaßen exemplarisch auf das Existenzphänomen der beim damaligen Publikum sehr beliebten, öffentlich zugänglichen Universitätsmuseen der Metropole, welche im Zeitraum vor 1945 fest in der Berliner Museumslandschaft verankert waren und infolge des Zweiten Weltkriegs heute größtenteils aus ihr verschwunden sind. Einige Objekte des Museums für Meereskunde, wie eben dieser Anker, konnten die Wirren der Zeit glücklicherweise überstehen. So vereint der Anker für Anja Walther zwei gegenläufige Bedeutungen:
„Als Schiffsanker repräsentiert er einerseits Stabilität; als überliefertes Relikt des untergegangenen, seinerzeit äußerst populären Berliner Museums für Meereskunde gemahnt er zugleich jedoch an die Fragilität der menschlichen Kultur.“
