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Einblick in den Workshop, Kinder in bunten Klamotten basteln Wassertiere. Sie werden von Erwachsenen begleitet.

© Foto: Philipp Plum

Ein zweites Leben für Materialien: Der Workshop „WasserGestalten“

Als Initiator von „WasserGestalten“, dem Familienworkshop zur Ausstellung „On Water. WasserWissen in Berlin“ im Humboldt Labor im Humboldt Forum, lädt der Künstler Vitor Garcia de Almeida Kinder und ihre Familien dazu ein, das Verhältnis von Wasser, Materialien und Kreativität zu erkunden. Inspiriert von den Wasserbewohner*innen der Ausstellung, entstehen im Workshop aus nicht mehr benötigten Materialien fantasievolle Wasserwesen. Durch das praktische Gestalten werden die Teilnehmenden dazu angeregt, über Konsum, Wiederverwendung und ökologische Verantwortung nachzudenken. Für den Künstler beruht der Workshop auf der Idee, ausrangierten Materialien ein zweites Leben zu geben:

„Die Idee hinter diesem Konzept und das, was es auszeichnet, ist die Absicht, ausgediente Materialien vor ihrer Entsorgung zu bewahren und sie durch eine zweite Nutzung länger im metabolischen Kreislauf von Rohstoffgewinnung, Konsum und Entsorgung zu halten.“

Das Projekt spiegelt zugleich seine künstlerische Praxis wider, die er als „Verbindung einer theoretischen Auseinandersetzung mit Fragen des Konsums von Natur seit der Moderne“ mit „einer praktischen künstlerischen Erkundung von Materialien, die nach ihrer Entsorgung ihren wirtschaftlichen Wert verloren haben“ beschreibt. Der Workshop wurde parallel zur Entwicklung der Ausstellung „On Water. WasserWissen in Berlin“ konzipiert. „Bereits während der ersten Gesprächen zwischen mir und dem Kurator für Outreach am Humboldt Labor“, erinnert sich Garcia de Almeida, „war klar, dass der Workshop eng mit dem Ausstellungskonzept verbunden sein sollte.“ Gemeinsam erarbeiteten sie einen Workshop rund um Wasserlebewesen, der Kinder sowohl an das Thema Wasser heranführt als auch zum kreativen Gestalten anregt. Jedes Wesen ist von einem Objekt in der Ausstellung angeregt – vom Kofferfisch bis zur Qualle, die die Besucher*innen in der einleitenden Videoinstallation begrüßt.

Auch die Auswahl der Materialien war eine bewusste Entscheidung. Anstatt neue Bastelmaterialien zu verwenden, arbeitet „WasserGestalten“ ausschließlich mit nicht mehr benötigten Materialien aus dem Humboldt Forum selbst. Wie der Künstler erklärt, „fallen diese Abfälle in den verschiedenen Bereichen des Gebäudes an: Sie reichen von Materialien, die für den Betrieb der Institution und das Funktionieren der Ausstellungen benötigt werden, bis hin zu Bereichen wie dem Museumsshop oder dem Restaurant, die alle betriebsbedingt Abfälle produzieren.“ Diese Materialien haben das Ende ihrer wirtschaftlichen Nutzungsdauer erreicht und so „endet ihr wirtschaftlicher Wert genau in dem Moment, in dem sie in den Abfallstrom gelangen. Ihr materieller Wert bleibt jedoch bestehen“, so betont Garcia de Almeida.

Ein aus recycelten Materialien gestalteter Kofferfisch, inspiriert von einem Exponat der Ausstellung „On Water. WasserWissen in Berlin“.

Die Weiterverwendung und Verwandlung verändern häufig auch die Wahrnehmung von Gegenständen, die uns im Alltag umgeben. Der Künstler hat beobachtet, dass

„die Wiederverwendung von Materialien, denen Menschen in ihrem Alltag begegnen, die sie benutzen und anschließend wegwerfen, bei den Teilnehmenden – sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen – häufig für einen Überraschungsmoment sorgt. Sie beginnen darüber nachzudenken, wie interessant und funktional bestimmte Materialien auch nach ihrer ursprünglichen Nutzung noch sein können. Diese Reflexion führt häufig zu Gesprächen über die Materialien und über die Möglichkeiten, die weiterhin in ihnen stecken. Genau diese Art der Auseinandersetzung möchte der Workshop anregen.“

Auf diese Weise können vertraute Alltagsgegenstände wie Pizzakartons, Flaschendeckel und Verpackungsplastik zu verspielten Wasserwesen werden. Der Workshop eröffnet zugleich einen niedrigschwelligen Zugang zu den ökologischen Fragestellungen, die in der Ausstellung „On Water. WasserWissen in Berlin“ verhandelt werden. „Kinder, die in einer Großstadt wie Berlin aufwachsen, haben häufig bereits wahrgenommen, wie beispielsweise Plastikmüll den öffentlichen Raum verschmutzen kann“, erklärt Garcia de Almeida. „Im Workshop arbeiten sie mit ähnlichen Werkstoffen. Dadurch können sie über die Möglichkeiten ihrer Wiederverwendung nachdenken und sich zugleich vorstellen, wie diese Materialien zur Umweltverschmutzung beitragen könnten, wenn sie nicht wiederverwendet würden.“

Teilnehmende gestalten Wasserwesen aus wiederverwendeten Materialien des Humboldt Forums.

Für den Künstler ist Kreativität ein wesentlicher Bestandteil im Umgang mit den ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Der Workshop soll daher nicht nur Bewusstsein schaffen, sondern auch Selbstvertrauen und Vorstellungskraft fördern. Er hofft, dass Kinder „durch einen kreativen Prozess ein Bewusstsein für diese Fragen entwickeln können – ohne dadurch das Gefühl der Hilflosigkeit angesichts des Problems zu verstärken. Stattdessen soll eine positive und ermutigende Haltung gegenüber der Suche nach zukünftigen Lösungen gefördert werden.“ Dieser Gedanke zeigt sich auch in einer der charakteristischsten Gestalten des Workshops: der Qualle. Vitor Garcia de Almeida erklärt:

„Die Qualle wurde als ein besonders performatives Wasserwesen konzipiert. Einerseits regt ihre Gestaltung während des Herstellungsprozesses die Kreativität an, andererseits lädt sie die Teilnehmenden dazu ein, das fertige Wesen durch spielerische, tänzerische Bewegungen zum Leben zu erwecken. Auf diese Weise verbindet sie kreatives Gestalten mit körperlicher Erfahrung und stellt eine unmittelbare Verbindung zu den Themen der Ausstellung her.“

Letztlich führt „WasserGestalten“ den partizipativen Ansatz der Ausstellung weiter und intensiviert ihn, indem es deren wissenschaftliche und künstlerische Perspektiven in ein zugängliches Erlebnis für Kinder und ihre Familien übersetzt. Wie Garcia de Almeida es formuliert: „Was die Ausstellung durch ihre Objekte, Videos und Texte vermittelt, wird im Workshop mit kindgerechten Vermittlungsmethoden aufgegriffen und durch praktische Erfahrungen unmittelbar erlebbar gemacht.“ Er hofft, dass die Besucher*innen nicht nur mit einem selbst gestalteten Wasserwesen nach Hause gehen, sondern auch ein neues Bewusstsein für eines der zentralen Themen der Ausstellung entwickeln:

„Das Ziel des Workshops wäre erreicht, wenn sich Kinder und ihre Familien der Dringlichkeit, sich mit dem Thema Wasser auseinanderzusetzen, auf spielerische Weise nähern und ein Bewusstsein dafür entwickeln könnten.“