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Die Künstlerin Elena Alonso Fernández bei der Recherche von „Portrait of a Kelp Forest“

© Foto: Manuel E. Garci

Über Wasser… aus dem Meer. Von marinen Lebenswelten, Fürsorge und bedrohten Ökosystemen

Samstag, 7. November | 16-18.30 Uhr | Humboldt Labor | im Rahmen der Berlin Science Week

 

Was können Korallenskelette über die Geschichte der Ozeane verraten? Wie lassen sich neue Formen des Zusammenlebens mit marinen Organismen gestalten? Und wie findet das Wasser seinen Weg von der Ausstellung ins Buch?

Am 7. November widmet sich das Humboldt Labor im Rahmen der Berlin Science Week den vielfältigen Lebensformen des Meeres. Drei Beiträge aus Wissenschaft, Kunst und Gestaltung laden dazu ein, neue Perspektiven auf die Ozeane und unsere Verantwortung für ihre bedrohten Ökosysteme zu entwickeln. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach einer Kultur der Fürsorge: Wie verändert sich unser Blick auf diese Ökosysteme, wenn wir sie als Mitgestalter*innen komplexer Lebensgemeinschaften verstehen? Welche Rolle können Kunst und Wissenschaft spielen, um neue Formen der Aufmerksamkeit, des Wissens und der Verantwortung für Ozeane und Wasser zu entwickeln?

Meeresbiologin Laura Lehnhoff beim Flussbaden in der Spree vor dem Humboldt Forum in Berlin.

16 Uhr – „Meet the Scientist“ mit Laura Lehnhoff

Den Auftakt der Reihe „Über Wasser… aus dem Meer“ macht die Meeresbiologin Laura Lehnhoff von der Freien Universität Berlin im Rahmen des beliebten Formats „Meet the Scientist“. In ihrer Forschung untersucht sie die Kalkskelette tropischer Steinkorallen, die über Generationen hinweg gewaltige Riffe bilden und zahlreichen Meerestieren als Lebensraum dienen. In ihrem Beitrag zeigt sie, wie sich aus diesen natürlichen Archiven der Meeresgeschichte Rückschlüsse auf vergangene Umweltbedingungen ziehen lassen und was sie über die Zukunft der Korallenriffe im Klimawandel verraten.

Im Vorfeld der Veranstaltung haben wir mit Laura Lehnhoff über ihre Forschung, die vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen Korallen und Meerwasser und die Geschichten gesprochen, die ihre Skelette über das Leben im Ozean erzählen.

Im Gespräch mit Laura Lehnhoff

I. Korallenriffe gehören zu den artenreichsten Lebensräumen unserer Erde und werden von winzigen Korallenpolypen aufgebaut. Was fasziniert Sie persönlich an diesen Lebewesen und wie sind Sie dazu gekommen, sich wissenschaftlich mit ihnen zu beschäftigen?

Mich hat schon immer alles interessiert, was mit Wasser zusammenhängt – die Lebewesen im Meer und im Süßwasser ebenso wie die Geologie, Chemie und Physik dahinter. Neben Meeresbiologie habe ich im Studium Geowissenschaften belegt und dabei einen Bereich der Geochemie entdeckt, der sich mit den Kalkstrukturen von Muscheln, Fischen und Korallen beschäftigt. Durch einen studentischen Job in der Forschung und meine Abschlussarbeit kam ich dann zu der Geochemie von Korallenskeletten. Mich fasziniert, dass diese Tiere riesige Riffe bauen und dabei in ihren Skeletten Spuren ihres Lebens und ihrer Umwelt bewahren.

II. Was können die Kalkskelette über die Lebensgeschichte einer Koralle und die Geschichte des Meerwassers verraten? Und wie lassen sich diese Informationen aus den Skeletten herauslesen?

Korallenskelette sind Archive: Bei ihrer Bildung hinterlassen die jeweiligen Lebensbedingungen Spuren in ihrer Struktur und chemischen Zusammensetzung. Auf Röntgenbildern erkennen wir jährliche Dichtebänder, ähnlich den Jahresringen eines Baumes. Chemische Analysen liefern beispielsweise Hinweise auf frühere Wassertemperaturen und andere Bedingungen während der Kalkbildung. Zusammen können diese Informationen zeigen, wann eine Koralle wie gewachsen ist und ob Umweltveränderungen ihre Skelettbildung beeinflusst haben.

III. Korallen stehen in ständigem Austausch mit dem Wasser, das sie umgibt. Welche Auswirkungen haben Veränderungen der Wasserbedingungen auf die Korallen?

Veränderungen von Temperatur, Licht, Salzgehalt oder Nährstoffversorgung können den Stoffwechsel und das Wachstum von Korallen beeinflussen. Bei anhaltender Hitze oder anderem Stress kann ihre symbiotische Partnerschaft mit winzigen Einzellern zusammenbrechen, die in ihrem Gewebe leben und sie mit Energie versorgen. Verlieren sie diese Einzeller, scheint das weiße Skelett durch: Die Koralle bleicht. Lässt der Stress nach, kann sich die Symbiose und damit die Koralle erholen. Hält er an, kann die Koralle sterben. Ozeanversauerung kann zusätzlich die Bildung des Kalkskelettes erschweren.

IV. Steigende Wassertemperaturen und die Versauerung der Ozeane bedrohen weltweit Korallenriffe. Was können wir aus Ihren Untersuchungen über ihre Anpassungsfähigkeit und ihre Zukunft lernen? Und was würde ihr fortschreitender Verlust für die marinen Ökosysteme bedeuten?

Ich untersuche, welche Spuren wiederholter Hitzestress in den Skeletten hinterlässt. Indem ich gebleichte und nicht gebleichte Korallen vergleiche, versuche ich, Signale und Hinweise auf die Gründe für die unterschiedliche Widerstandsfähigkeit zu finden. Das kann helfen, die aktuelle Widerstandsfähigkeit besser zu verstehen. Um auch die langfristige Anpassungsfähigkeit besser einzuschätzen, könnten wir nach diesen Signalen in älteren und fossilen Korallen suchen, die Hitzestress ausgesetzt waren. Mit den Riffen würden zahlreiche Tiere Nahrung, Schutz und Kinderstuben verlieren. Auch für uns Menschen stehen wichtige Grundlagen für Fischerei, Einkommen und Küstenschutz auf dem Spiel.

Portrait der Künstlerin Elena Alonso Fernández

16:30 Uhr – Neue Beziehungen zum Meer: Artist Talk mit Elena Alonso Fernández und Rasa Weber

Wie lässt sich unsere Beziehung zum Meer jenseits einer rein menschlichen Perspektive verstehen und gestalten? Im anschließenden Artist Talk sprechen die Künstlerin Elena Alonso Fernández und die Designerin und Forscherin Rasa Weber über ihre Auseinandersetzungen mit marinen Ökosystemen.

Während Elena Alonso Fernández in ihrer partizipatorischen und recherchebasierten künstlerischen Praxis die vielschichtigen Beziehungen zwischen Menschen und marinen Lebenswelten untersucht, beschäftigt sich Rasa Weber mit der Gestaltung künstlicher Riffe und neuer Lebensräume im Meer. Beide verbinden künstlerische und wissenschaftliche Ansätze und eröffnen Perspektiven auf das Zusammenleben menschlicher und mehr-als-menschlicher Akteur*innen. Das Gespräch wird von Daniel Tyradellis, Vize-Direktor des Zentrums für Kulturtechnik, moderiert.

Porträt der Designerin und Taucherin Rasa Weber

17:30 Uhr – Buchpräsentation:  „On Water. Fluid Perspectives“ mit Anna-Lisa Dieter, Dina Fluck und Daniel Tyradellis

Den Abschluss bildet die Präsentation des neu erschienenen Ausstellungskatalogs „On Water. Fluid Perspectives“, der die Themen der aktuellen Ausstellung „On Water. WasserWissen in Berlin“ aufgreift und um neue Perspektiven erweitert. Der reich bebilderte Katalog führt durch die elf Zonen der Ausstellung und überführt ihre räumliche Dramaturgie in eine eigene publizistische Form. Flankiert werden diese thematischen und visuellen Spuren der Ausstellung mit Stimmen von Forschenden aus Berlin, drei Essays der Herausgeber*innen und der Anthropologin Veronica Strang (University of Oxford) sowie einem Fluiden Pfad am Ende jeder Seite.

Wie können wir Wasser nicht nur als Gegenstand des Wissens, sondern als Denkfigur und Quelle von Ideen, Bildern und Geschichten betrachten? Und was passiert, wenn sich das Motiv des Fluiden auch auf der gestalterischen Ebene niederschlägt? Darüber sprechen die Herausgeber*innen Anna-Lisa Dieter und Daniel Tyradellis gemeinsam mit der Grafikerin Dina Fluck. Moderiert wird die Buchpräsentation von Heide Barrenechea, Leiterin des Humboldt Labors.

Wasser als Gestaltungsmotiv: Ein hydrochromes Cover umschließt den Ausstellungskatalog „On Water. Fluid Perspectives“

Programm

[16:00-16:30]
Meet the Scientist mit Laura Lehnhoff

[16:30-17:30]
Artist Talk mit Elena Alonso Fernández und Rasa Weber
Moderation: Daniel Tyradellis

[17:30-18:30]
Gespräch zum Ausstellungskatalog mit Anna-Lisa Dieter, Dina Fluck und Daniel Tyradellis
Moderation: Heide Barrenechea

Die Veranstaltung ist kostenlos und frei zugänglich.