Anna-Lisa Dieter interessiert besonders, welche verborgenen Geschichten Objekte erzählen. Als Kuratorin von „On Water. WasserWissen in Berlin“ hat sie Konzept und Narration der Ausstellung entwickelt. Gemeinsam mit ihren Kolleg*innen aus dem kuratorischen Team wählte sie die Objekte aus, die die Erzählung tragen. Besonders im Gedächtnis geblieben sind ihr dabei die Korallen aus dem Museum für Naturkunde.
1967 ließ die DDR-Regierung im sozialistischen Bruderland Kuba Teile eines Korallenriffs abtragen und nach Berlin verschiffen. Einige Jahre später sollte zum 25. Jahrestag der DDR ein naturgetreues Abbild des Riffs der Öffentlichkeit präsentiert werden. „An den Korallen interessiert mich besonders, dass sie nicht nur naturkundliche, sondern auch politische Objekte sind – aufgrund ihrer Provenienz, also der Geschichte ihrer Herkunft, die viel über das Selbstverständnis der DDR erzählt“, sagt Anna-Lisa Dieter.

© Foto: Philipp Plum
Objektgeschichten: Anna-Lisa Dieter und die Korallen
Die Kuratorin wirft damit zugleich eine weitere Frage auf: Wie ist mit Objekten umzugehen, deren Herkunft von Eingriff und Aneignung geprägt ist? „Die Korallen sind Träger einer Gewaltgeschichte“, sagt sie. „Indem wir sie wie Kunstwerke präsentieren, geben wir ihnen gleichsam die Würde als Objekt zurück.“
Die Korallen stehen für Anna-Lisa Dieter exemplarisch für Themen, die ihre kuratorische Arbeit prägen. An den maritimen Objekten treten Natur- und Geisteswissenschaften in einen produktiven Dialog: Aus beiden Perspektiven wird an Berliner Universitäten zu Korallen geforscht, wovon sich Besucher*innen der Ausstellung an einer Audiostation einen Eindruck verschaffen können. Gerade arbeitet die Kuratorin am Katalog „On Water. Fluid Perspectives“, der eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema Wasser, der Wasserforschung in Berlin und der Ausstellung „On Water“ selbst ermöglichen soll.