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Ausstellungsgrafik mit der Überschrift "Erziehung, Auftragskunst, ästhetischer Wille?" in einer Pop-up-Austellung im Seminarraum des Humboldt Labors

© Foto: Philipp Plum

Intervention zum DDR-Kunstbestand – Ein studentisches Forschungsprojekt im Humboldt Labor

Im Oktober 2024 fand in Kooperation mit der Kustodie der Humboldt-Universität zu Berlin die Pop-Up-Ausstellung „Erziehung, Auftragskunst, ästhetischer Wille? Der DDR-Kunstbestand an der Humboldt-Universität“ im Seminarraum des Humboldt Labors statt. Damit wurde nicht nur die Zusammenarbeit zwischen Humboldt Labor und Kustodie gestärkt, sondern auch ein Raum für die Präsentation eines studentischen Forschungsprojekts und mithin eines selten gezeigten Teils der Universitätssammlung ermöglicht.

Die Humboldt-Universität zu Berlin besitzt eine reiche Sammlung wertvoller Kunstschätze, deren Entstehung vom 19. bis ins 21. Jahrhundert reicht. Auch aus der Zeit der DDR, auf deren Boden die HU von 1949 bis 1990 stand, finden sich viele Objekte in der Sammlung. Werke bekannter Künstler:innen, von denen einige an der HU lehrten, sind ebenso darunter wie solche unbekannter Laien; eine vielfältige Objektgruppe, entstanden als Auftragsarbeiten, Ankäufe oder Schenkungen. In Motiven und Sammlungsgeschichten spiegeln sich die Nähe von Wissenschaft und Politik in der DDR sowie deren ideologische Weltanschauung. Gleichzeitig zeugen die Werke in Technik wie Ästhetik vom reichen Kunstbetrieb der DDR. Spannend machen den Bestand auch die enge Verknüpfung zwischen Kunst und Kunsterziehung sowie das an der Universität intensiv gepflegte Laienschaffen.

Besucher*innen in der Pop-Up-Ausstellung

Im Sommersemester 2024 haben sich Studierende des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft (IBI) im Rahmen eines Seminars der Kustodie/Kunstsammlung mit Werken aus der Zeit der DDR beschäftigt. In Archiven und Expert:innengesprächen haben sie Objektgeschichten recherchiert, sich mit der Baugeschichte der HU auseinandergesetzt und zum künstlerischen Unterricht an der Universität geforscht.

Während in dem von Christina Kuhli (Kustodie/Kunstsammlung) und Maria Gäde (IBI) geleiteten Seminar Materialien zusammengetragen, Erzählungen zu den Objekten recherchiert und Texte geschrieben wurden, fand zu Semesterende und über die Semesterferien hinweg die Aufbereitung für die Ausstellung statt. Vom 14. bis 27. Oktober 2024 wurden die Ergebnisse des studentischen Forschungsprojekts dann schließlich im Seminarraum des Humboldt Labors präsentiert. Dazu wurde die modulare Raumausstattung so ertüchtigt, dass die durch die Studierenden zusammengetragenen Exponate in einer museal anmutenden Atmosphäre gezeigt werden konnten. Neben den großzügigen Wandflächen trug dazu auch die eigens für die Ausstellung entwickelte grafische Gestaltung sowie die professionelle Rahmung und Hängung der einzelnen Objekte bei.

Ausstellungsansicht „Ästhetischer Wille“

Die Intervention „Erziehung, Auftragskunst, ästhetischer Wille? Der DDR-Kunstbestand an der Humboldt-Universität“ zeigte zahlreiche Originalobjekte und einige Reproduktionen. Hierzu zählen Auftragsarbeiten wie Porträts der Humboldt-Brüder; vom sozialistischen Gedankengut inspirierte Werke wie Heinrich Tessmers Triptychon „Stationen“; ein Wandgemälde aus der Frühphase der DDR, das vor einigen Jahren hinter einer Holzverkleidung zum Vorschein kam; und studentische Arbeiten des Bereichs Kunsterziehung aus den 1960er- bis in die 1980er-Jahre.

Mit der Intervention folgte das Humboldt Labor seinem Ziel, neben der Ausstellung von Wissenschaft und dem Diskurs wissenschaftlicher Erkenntnisse auch studentische Projekte sichtbar zu machen und diese so als wichtigen Teil des universitären Geschehens zu kennzeichnen. Zugleich bildet das Projekt zwischen Kustodie und Humboldt Labor die Zusammenarbeit von zwei am Zentrum für Kulturtechnik (ZfK) angesiedelten Bereichen ab.

Christina Kuhli (rechts) und Maria Gäde (mittig) im Gespräch mit einem Seminarteilnehmer