Dem Wasser lauschen

Audioarbeiten über Wasser

Wasser rauscht, tropft, knackt, gurgelt, brandet und fließt. Es klingt in Flüssen, Meeren, Gletschern, Wolken und technischen Infrastrukturen jeweils anders. Eine Erkenntnis der Arbeit an der Ausstellung „On Water. WasserWissen in Berlin“ war, wie vielfältig die Klänge des Wassers sind. Die Hörstücke erweitern den zugehörigen Katalog um eine sinnliche Dimension und eröffnen einen direkten Zugang zu Hörstücken der Ausstellung. Tauchen Sie ein in die akustischen Klangwelten von „On Water“.

Hinweis: Die Audiodateien sind für Kopfhörer optimiert.

Sap Score

Wie klingt ein Baum, wenn er trinkt? Die Klanginstallation des Künstlers Andreas Greiner macht das kaum wahrnehmbare Phänomen der Transpiration hörbar: Bäume nehmen Wasser über ihre Wurzeln auf und leiten es durch ihr Gefäßsystem bis in die Blätter. Dieser verborgene Wasserkreislauf wird in der Arbeit als mehrstimmiges Konzert erlebbar. Dafür hat Greiner in Zusammenarbeit mit dem Tontechniker und Philosophen Roland Bolz verschiedene Bäume in Berlin und Umgebung mit hochsensiblen Mikrofonen verkabelt. Diese nehmen die feinen Klänge des aufsteigenden Wassers ebenso auf wie andere durch den Baumkörper wandernde Schallbewegungen.

Sap Score
Andreas Greiner, Roland Bolz
Mehrkanal-Klangarbeit, basierend auf Field Recordings aus Bäumen
Audioarbeit, 2025

Humboldt-Universität zu Berlin, Humboldt Labor

 

 

Wassergespräche

Die Anthropologinnen Isabel Bredenbröker und Kirsty Wissing haben dem Wasser an weit entfernten Orten zugehört und seine Geräusche aufgezeichnet. Ihre Feldforschung führte sie nach Berlin, Nürnberg, Sydney, in die Northern Rivers Region, nach Brisbane und Canberra. Welche Erinnerungen speichert Wasser? Welche Zukunft hat Leben bei steigendem Meeresspiegel? Und welche Beziehungen entwickeln sich rund ums Wasser? Die daraus entstandene Komposition verbindet Aufnahmen von Meereswellen, Flüssen und Seen, Schwimmbädern, Naturschutzgebieten und Parks in Deutschland und Australien.

Zukunft unter Wasser
Isabel Bredenbröker, Universität Bremen und Kirsty Wissing, Australian National University
Audioarbeit, 2025

Humboldt-Universität zu Berlin, Humboldt Labor, Gefördert durch das Global Partnership Flexible Funding Program der Humboldt-Universität zu Berlin

 

 

Black Diaspora from Berlin to Brooklyn

Die Musikerin und Wissenschaftlerin Layla Zami erforscht, wie die Eigenschaften des Wassers unser Hören und Produzieren von Klang beeinflussen können. Im Kontext der Schwarzen Diaspora beschäftigt sie sich mit Ausdrucksformen, die historische Erfahrungen wie Kolonialismus und Migration thematisieren. Sie tragen Erinnerung, Identität und Widerständigkeit in sich. In Zamis Arbeit wird das „Auflösen“ zu einer akustischen Praxis: Klang wird hier nicht als feste Form gedacht, sondern als etwas Fließendes, das Räume und Beziehungen immer wieder neu gestaltet.

Black Sounds of Diasporic Dissolving
Layla Zami, Freie Universität Berlin, Campus Caraïbéen des Arts in Martinique
Mit Unterstützung von Makda Isak, Oxana Chi, Charlene Jean, Shaynicia Dicanot
Audioarbeit, 2025

Humboldt-Universität zu Berlin, Humboldt Labor

 

 

Aquatische Musikologie

Der Musikwissenschaftler Sebastian Klotz von der Humboldt- Universität zu Berlin beschäftigt sich mit Aquatischer Musikologie, einem Feld an der Schnittstelle von Klangforschung, Anthropologie, Verhaltensforschung und Ökologie. Ausgehend vom Meer fragt die noch junge Forschungsrichtung, ob sich auf diese Weise neue Perspektiven auf den Ozean, seine Lebewesen und sogar auf das Leben selbst entwickeln lassen. In der experimentell angelegten Erkundung wird das Meer zu einem Arten übergreifenden geteilten Erfahrungsraum.

Aquatische Musikologie
Sebastian Klotz, Humboldt-Universität zu Berlin
Copyright der Musikaufnahmen: Sarah Niksič alias Inner Child (Canticum Megapterae, 2019) & John Luther Adams (Become Ocean, 2013)
Audioarbeit, 2025

Humboldt-Universität zu Berlin, Humboldt Labor

 

 

In the joyful river of sound we exist together

Der Kulturwissenschaftler Walther Maradiegue von der Freien Universität Berlin erzählt in seinem Beitrag von Dionisio Chuya, einem Bauern und Musiker aus dem Dorf La Ramada in den nordperuanischen Anden. Chuya spielt Instrumente, denen im rituellen Leben eine zentrale Rolle zukommt. Die Tonaufnahme enthält auch seine Gedanken zur limpia de acequia, einer jährlichen gemeinschaftlichen Reinigungsaktion der Bewässerungskanäle. Dabei wird deutlich, wie eng Musik, Landwirtschaft, Wasser und Gemeinschaftsleben miteinander verwoben sind.

In the joyful river of sound we exist together
Walther Maradiegue, Freie Universität Berlin,
Forschungsassistent: Jao Yamunaqué
Audioarbeit, 2025

Humboldt-Universität zu Berlin, Humboldt Labor

 

 

L‘intreccio

Dieses Klangstück lädt dazu ein, in die vielschichtigen Rhythmen des Lebens in den Feuchtgebieten Sardiniens einzutauchen. Es basiert auf der Forschung der Ethnologin Magdalena Buchczyk von der Humboldt-Universität zu Berlin. Unter dem Titel L’intreccio (Italienisch für „das Geflecht“) rückt sie die Verflechtungen menschlicher und mehr-als-menschlicher Welten in den wasserreichen Landschaften der italienischen Insel in den Mittelpunkt.

Lagoon – L’intreccio
Magdalena Buchczyk, Humboldt-Universität zu Berlin
Mit Unterstützung von Melanie Garland, Humboldt-Universität zu Berlin
Audioarbeit, 2025

Humboldt-Universität zu Berlin, Humboldt Labor